Die Geschichte des Freimaurerkränzchen „Zur Starkenburg“ in Traben - Trarbach

 

U. H.

 

(Kurzfassung des Vortrages der vor den Mitgliedern der Casino-Gesellschaft in Traben-Trarbach gehalten wurde. Die Namenslisten wurden in diesem Bericht aus Datenschutzgründen wegelassen, ebenso die Internetlinks und die Bilder.)

 

Bei der Sichtung von Unterlagen zur Ausstellung des Weinhandels in Traben-Trarbach hatte man festgestellt, dass ein Teil der Weinhändler, offenbar Freimaurer waren, aber genaues war nicht bekannt. In der Festschrift: 200 Jahre Gesellschaft Casino zu Trarbach, liest man: „…das die geheime Staatspolizei (Gestapo) durch ihren sogenannten SD (Sicherheitsdienst) das Casino wegen des Verdachts „freimaurerischer Umtriebe“ bespitzeln ließ.“ Doch dazu mehr im 2. Teil des Vortrages.

 

In dem Buch Traben-Trarbach: „Geschichte einer Doppelstadt“ findet man unter dem Kapital „Das Vereinsleben in der Stadt Traben-Trarbach nur den Satz: “Es gab in der Stadt noch ein Freimaurerkränzchen zur Starkenburg Traben-Trarbach…“. Also blieb nur der Besuch von Archiven übrig. Mein erster Besuch führte mich 2016 in das Landeshauptarchiv nach Koblenz, dort konnte ich sämtliche vorhandene Akten als Digitalisate erhalten. Dann besuchte ich die Staatsbibliothek in Berlin und ließ mir von dort die Unterlagen über die Loge in Koblenz als Digitalisate zukommen. Eine weitere interessante Quelle für mich waren die Akten des National Archivs in Washington, die mir in Auszügen von den dortigen Kollegen zur Verfügung gestellt wurden. Als weitere Quellen diente mir das Internationale  und das Deutsche Freimaurerlexikon. Anzumerken ist, dass das Freimaurerkränzchen in Traben-Trarbach, aber dazu später, der Loge in Koblenz unterstand, die 2017 ihr  200 jähriges Jubiläum feierte. 

In meinen Vortrag kann ich viele Aspekte nur anreißen, da der Vortrag sonst den Zeitrahmen sprengen würde.

 

Bei den Freimaurern handelt es sich um einen nach Ländern in Großlogen organisierten symbolischen Werkbund. Der Großteil der freimaurerischen Werte entstammt dem Zeitalter  der Aufklärung. Es sind dies Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Die meisten Logen sind Männerlogen, was geschichtlich bedingt ist. Allerdings gibt es heute auch Frauenlogen und gemischte Logen. Ein Großteil der Gründungsmitglieder der Serviceclubs, wie Rotarier oder Lions waren Freimaurer. 

 

Die Freimaurerei begreift sich weder als Religion noch als Kirche, sondern als initiatorischen, ethisch orientierten universellen Gesinnungsbund, dessen Mitglieder genannt Brüder eine geistige Vertiefung und menschliche Haltung anstreben. Dazu bedient sich die Freimaurerei spezifischer Rituale und Symbole, die der Welt der früheren Steinmetzbruderschaften entstammen.

 

Umherziehende Maurer, Steinmetze und andere Berufe, die an den großen Baustellen arbeiteten, mussten sich durch spezielle Zeichen und Griffe als Mitglieder dieser „Berufsgruppe“ zu erkennen geben. Man muss wissen, dass es damals keine Berufschulen gab, sondern das Wissen mündlich weitergegeben wurde. Die Bauhütten gehörten genauso wie die Handwerkszünfte oder die Kaufmannsgilden zu den damals besseren Gesellschaftskreisen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts traten immer mehr Nichtmaurer, vor allem Gebildete und Adelige, den Bauhütten bei. Damit war der Übergang von der operativen zur spekulativen Freimaurerei vollzogen. Die Freimaurerei wurde zum Gesinnungsbund. 

 

Die Anfänge der „Königlichen Kunst“, wie die Freimaurerei auch bezeichnet wird, reichen in die schottische Kultur des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts zurück. Der eigentliche Beginn der Freimaurerei wird auf den 24. Juni 1717 datiert. An diesem Tag schlossen sich die in London vorhandenen Logen  zu einer Großloge zusammen. 20 Jahre später wurde in einer Hamburger Taverne die erste deutsche Loge gegründet. Der Siegeszug der Freimaurerei fiel in die Zeit der Aufklärung, diese Zeit war auch die Blütezeit der Logen. Die Loge wird zur Gesinnungsgemeinschaft in der sich die aufklärerische Elite versammelte. In den Logen kamen Menschen verschiedener Stände  zusammen, was im 19. Jahrhundert noch nicht üblich war.  

 

1932 gab es rund 82,000 deutsche Freimaurer. Im Nationalsozialismus versuchten die deutschen Logen mit Ergebenheitsadressen an Adolf Hitler und internen Anpassungsstrategien einem möglichen Verbot zu entgehen. Dabei gerieten die deutschen Freimaurer zunehmend in den Sog eines völkischen Denkens, das sie auch innerhalb der „Weltbruderkette der Freimaurer“ isolierte. 1934 kam es zu einer NS-Terrorwelle, gegen die Freimaurer, bei der Logenhäuser verwüstet und geplündert wurden. 1935 wurde die Freimaurerei schließlich in Deutschland verboten. Die Nationalsozialistische Propaganda richtete in verschiedenen Städten „Freimaurermuseen“ ein, um die Öffentlichkeit über die angeblich „volkszersetzenden Gefahren“ der Logen aufzuklären. Das Vermögen von ca. 200 Millionen Mark, das für wohltätige Zwecke gedacht war, wurde von Staat eingezogen. 

 

Mit einer der führenden Köpfe der Gegner der  Freimaurer war Erich Ludendorff mit seinem Verlag, der mit anderen Autoren Schriften gegen die Freimaurer heraus gab, er gilt mit als einer der Triebfedern, die veranlassten, das einzelne Logenhäuser, wie vorher schon erwähnt bis auf die Grundmauern abgetragen wurden um ihre Geheimnisse zu finden. Dies war mit einer der Gründe, neben der angeblichen Geheimniskrämerei und der Verschwörung, dass Freimaurer genauso wie Mitglieder anderer Vereinigungen, die auch nicht in das System und der Denkweise der Nationalsozialisten passten in die Konzentrationslager gebracht wurden. 

 

Nach 1945 verlief die Entwicklung in beiden deutschen Staaten unterschiedlich. Im Westen gelang schon bald die Wiederbelebung des Logenwesens, in der Deutschen Demokratischen Republik blieb die Freimaurerei weiterhin offiziell verboten, aber trotzdem gab es kleinere Treffen die geduldete wurden, aber von der Staatssicherheit überwacht wurden. Der Hauptgrund aber war, das keine Diktatur eine Vereinigung duldete, die nicht durch den Staat überwacht werden konnte. 

 

1949 wurde in Frankfurt am Main die „Vereinigte Großloge von Deutschland“ gegründet. In Deutschland aber führen katholische Redner selbst 1962/63 noch immer Attacken gegen die Freimaurer, als gelte es, eine zweite Gegenreformation einzuleiten. So polterte etwa zu Anfang des Jahres 1963 der Stuttgarter katholische Diözesan Alfons  Burger: "1317 Blüte der Kirche im Mittelalter, 1517 Luther, 1717 Großloge in England, 1917 bolschewistische Revolution - welcher Abstieg! Oder: "Natürlich kann ein Freimaurer aus der Bewegung austreten - wie lange er noch lebt, ist eine andere Frage.” 

 

Womöglich noch mehr Phantasie als Burger bewies der Leutesdorfer  Pater Wilhelm, der in Irlich bei Neuwied öffentlich mitteilte: "Der Mord von Sarajewo ist eine Tat der Freimaurer. Die Wirren in Angola, am Kongo und die bestialischen Morde sind Werke der Freimaurer. Ebenso der Umsturz auf Kuba, der Generalstreik in Belgien, auch Hammarskjöld wurde von ihnen beseitigt, weil er Christ war“, zu lesen in der Spiegelausgabe  vom April 1963.

 

Die christlichen Konfessionen nehmen zur Freimaurerei keine einheitliche Haltung ein. Während die katholische Kirche trotzt einiger Zugeständnisse in neuerer Zeit an einer prinzipiellen Unvereinbarkeit festhält, hat die Evangelische Kirche in Deutschland seit den gemeinsamen Gesprächen mit der Großloge von Deutschland im Blick auf die Logenmitgliedschaft eines evangelischen Christen keine Einwände. Sie überlässt es „dem freien Ermessen des einzelnen ob er Freimaurer ist“.

 

Der Versammlungsraum der Loge wird als Tempel bezeichnet. Die rituelle Bekleidung des Freimaurers besteht – zusätzlich zu schwarzem Anzug bzw. Smoking und weißem Binder – aus Maurerschurz, weißen Handschuhen, dem Logenabzeichen und je nach Loge wird ein Zylinderhut getragen. Freimaurerlogen engagieren sich sehr viel im sozial-karitativen Bereich durch Spenden, z. B. für Notleidende oder Hilfsprojekte.

 

Der Schutzpatron der  Freimaurer  ist  Johannes der Täufer, dessen Todestag der  24. Juni ist. An diesem Datum feiern die Logen das Johannisfest. Die Farbe der Freimaurer der Johannisloge ist blau. Weltweit gibt es zur Zeit ungefähr 4 Millionen Freimaurer.

 

Die ersten freimaurerischen Bewegungen, die von Bewohnern unserer Heimat, der Mosel ausgingen finden sich an der Universität  in Jena. Einer der ersten Orden ist der der Amicisten oder Mosellaner, er wurde 1771 in Jena begründet von Mitgliedern die von der Mosel, dem Elsass und aus Baden stammten und die Mosellaner Landsmannschaft bildeten. Dieser Orden ist als Studentenorden bis 1811 in den Universitätsstädten Gießen, Marburg Göttingen, Mainz, Erlangen, Erfurt, Tübingen, Leipzig, Würzburg und Halle nachweisbar. Der Orden bestand zunächst innerhalb der Landsmannschaft der Mosellaner, die  in Jena studierten und lehnte sich in seinem Brauchtum an die Freimaurerlogen der Zeit an. Innerhalb des Amicisten- oder Mosellanerorden entstand später die sogenannte gelehrte Loge, die das Raufen und Saufen in Studentischen  Verbindungen bekämpfte. 

1793 ging der studentische Charakter nach mehreren Verboten durch die damalige Obrigkeit immer mehr verloren und der Orden wurde zu einer Loge. Einer der Mitbegründer in Jena 1771 war der Student Carl Vogt aus Trarbach. Das bekannteste Mitglied dieser Loge war der Dichter und evangelische Theologe Johann Peter Hebel, der seine Wurzeln auf dem Hunsrück hatte und später in Baden wirkte. Ein weiterer Freimaurer der seine familiären Wurzeln in Traben hatte, war Otto Caspari, er war Professor an der Universität Heidelberg und schrieb 1889 sein Werk: „Die Bedeutung des Freimaurertums für das geistige Leben.“ 

Dieses Buch gilt  heute noch als eine der besten Aufklärungsschriften über das Freimaurertum für fernstehende Kreise. 1807 gab es auf halber Strecke zwischen Koblenz und Traben-Trarbach eine kleine Loge (eher ein Kränzchen) im Kloster  Ebernach, das 1802 säkularisiert wurden war, ebenso gab es weitere kleinere freimaurerische Vereinigungen an der ganzen Mosel, die allerdings nur kurze Zeit bestand hatte.

 

Kommen wir nun zu dem freimaurerischen Leben in Traben-Trarbach und seiner Umgebung. In den späteren Listen des Stadtrates der 1904 vollzogenen Vereinigung von Traben und Trarbach sind einige Freimaurer Mitglied dieses Gremiums und übten eine gewissen Einfluss auf die Geschicke der Stadt aus, wie man an den Namen in den Protokollen der Stadtratsitzungen erkennen kann. Mitgliederverzeichnis der zum Verbande der großen Nationalmutterloge in den Preußischen Staaten genannt „Zu den drei Weltkugeln“ gehörende Johannisloge „Friedrich zur Vaterlandliebe“ (gestiftet am 19. Oktober 1817) und der damit verbundenen Schottenloge „Zur ersehnten Vereinigung“ im Orient zu Koblenz sowie der unter ihrer Aufsichtstehenden Freimaurerischen Vereinigung „Zur Starkenburg“ in Traben-Trarbach.“ So steht es auf dem Deckblatt des Mitgliederverzeichnisses des Mauerjahres 1927.  In diesem Mitgliederverzeichnis liest man dann weiter: „Freimaurerische Vereinigung „Zur Starkenburg“ in Traben-Trarbach, gestiftet am 9. Februar 1915.“ (also vor 103 Jahren)

 

Doch was ist eine Freimaurerische Vereinigung und wer von Traben-Trarbach und Umgebung war dort Mitglied? Unter einer freimaurerischen Vereinigung oder einem Freimaurerkränzchen versteht man eine aus verschiedenen Logen zusammengesetzte Vereinigung von Freimaurern, meist an Orten wo sonst  keine Loge besteht und die Möglichkeiten zur Bildung einer solchen infolge verschiedener Gegebenheiten noch nicht gegeben sind. Die Kränzchen unterstehen dem Schutz einer Loge und arbeiten ohne besonderes Gebrauchtum. Unter Gebrauchtum versteht man die Freimaurerische Arbeit, die sich in ihrer Entstehungsform der alten Steinmetzbruderschaften anlehnt. Sie werden auch als Vorstufe zu einer Logenbildung betrachtet werden. Anmerkung: Zwischen der Casinogesellschaft  in Traben-Trarbach und der Freimaurerischen Vereinigung gab es einige Parallelen. 

So waren die französischen Mitbegründer der Casinogesellschaft in Traben-Trarbach Freimaurer. Das führte dazu, das bei der Aufnahme eines neuen Mitgliedes in die Casinogesellschaft gekugelt werden musste, waren mehr weiße als schwarze Kugeln in dem Behälter, so galt man als aufgenommen. Auch musste man wie bei den Freimaurern  Bürgen haben. Viele Mitglieder der Freimaurerischen Vereinigung in Traben-Trarbach waren Mitglieder in den Logen zu Trier und Koblenz. In einer regulären Loge heißt der  1. Vorsitzende Meister vom Stuhl, seine Stellvertreter nennt man 1. und 2. Aufseher und der Schriftführer heißt in einer Loge Sekretär und der Kassierer Gabenpfleger.

In einer Freimaurerischen Vereinigung oder Kränzchen besteht der Vorstand aus dem Vorsitzenden, dem stellvertretenden Vorsitzenden, dem Schriftführer und dem Schatzmeister, so wie in einem Verein. Die ersten Mitglieder aus Traben finden sich im Mitgliedsverzeichnis des Jahres 1896 /1897 der zum Verbande der Grossen National-Mutter-Loge in den Preußischen Staaten genannt zu den drei Weltkugeln gehörigen Johannisloge Friedrich zur Vaterlandsliebe und der damit verbundenen Altschottischen Delegation zur ersehnten Vereinigung im Orient zu Koblenz. Freimaurerloge Koblenz. Es sind Karl Lenz jr.I, er trat in die Loge im Alter von 30 Jahren ein und Bertrand Lenz II im Alter von 28,  beide waren von Beruf Kaufleute. Im Mitgliedsverzeichnis 1901/1902 der vorgenannten  Loge finden sich dann Julius Kayser  von Beruf Weingutsbesitzer und Weingroßhändler, er trat im Alter von 29 Jahren ein,  Adolf Seth Weingroßhändler, im Alter von 38 Jahren, sowie  Karl Heyland, Weingutsbesitzer im Alter von 27 Jahren, als Wohnort ist bei allen genannten Traben angegeben. Die Mitglieder, die damals in dem Freimaurerischen Kränzchen waren, würde man als das „Das Who is Who in Traben-Trarbach.“ bezeichnen.

Doch wo war der Raum oder das Haus indem sich nun dieses Freimaurerkränzchen in Traben-Trarbach traf?  Wenn man heute an der Mosel Richtung Sportplatz spazieren geht, kommt man an dem Haus Schon vorbei. Dieses Haus wurde im 19. Jahrhundert von Clemens Gescher erbaut. Er stand der Freimaurerei sehr nah, wollte aber nicht aktiv zu den Freimaurern gehören, da er katholisch war. Es gab neben den katholische Christen, auch noch andere Menschen, die den Freimaurern sehr nahe standen und sich mit ihrem Gedankengut beschäftigten und danach lebten. Diese Männer konnten als Gäste das „Freimaurerische Kränzchen“ besuchen. Diese bezeichnete man als Freimaurer ohne Schurz. An dem Haus von Clemens Genscher findet man unter dem Erker das Symbol der Freimaurer. Es ist auf einem blauen Untergrund, ein Engel, ein Dreieck, ein Zirkel und ein Totenkopf zusehen. Der blaue Schildhintergrund ist die Farbe der Johannisloge, der  Engel steht für das göttliche Licht, das gleichschenklige Dreieck für ein Kränzchen und den rechtwinkligen Lebenswandel, sowie für die Freimaurer wichtige Zahl 3. Der Totenkopf steht für die Vergänglichkeit und erinnert daran, dass alles einmal ein Ende hat. Auf dem Grabstein von Clemens Gescher findet sich nicht das christliche Kreuz, sondern ein Tatzenkreuz das dem Kreuz der Templer sehr ähnlich ist.  

 

Machen wir nun einen zeitlichen Sprung in die Zeit des Dritten Reiches.1934 liest man in der Presse, dass die Nationalsozialistischen Propagandaredner das wesentlichste über die Freimaurer eingangs in fünf Worten zusammenfassten: „Das Freimaurertum will Deutschland vernichten.“ Wie schon erwähnt, verboten die Nationalsozialisten die Freimaurer. Dies hatte auch Auswirkungen auf das Freimaurerkränzchen „Zur Starkenburg“ in Traben-Trarbach.In dem Zeitungsbericht von 1939 zur Ausstellung in Trier über die Freimaurerei, steht (zusammenfassend wiedergegeben): „Eine Schau für alle, diese zeigt ein Bild vom dem Aufbau und der Gefahr der von den Logen ausgeht, vor allem die  verbrecherischen Ziele. Wir können diese Schau nur allen empfehlen, damit sie sich ein Bild machen, wie und mit welchen Mitteln dieses jüdisch-internationale Verbrechertum arbeitet.“ Im Jahre 1937 begann man bereits das Freimaurerkränzchen in Traben-Trarbach zu beobachten und auszuspähen. In den Lageberichten und andere Meldungen des Sicherheitsdienstes der Nationalsozialisten aus dem Großraum Koblenz liest man dann, in dem Bereich des Sicherheitsdienst  der Außenstelle Cochem (nun folgen Auszüge aus den Akten des Sicherheitsdienstes aus dieser Zeit): Bestand als einzige die logenähnliche Vereinigung „Zur Starkenburg“ in Traben-Trarbach.  

 

Nach Auflösung der Loge fanden sich die ehemaligen Mitglieder zusammen in der „Casino-Gesellschaft“. Dieser Gesellschaft gehören auch Personen an, die nicht in der Loge waren und ihr somit einen bürgerlichen Anstrich geben. Der Zusammenhalt ist sehr eng, und es werden keine Fremden zugelassen und sonstige  Zusammenkünfte finden keine statt, wie Kränzchen, Stammtischrunden, die aus ehemaligen Freimaurern bestehen. Ein Zustand muss ganz besonders erwähnt werden. Bei den Manövern der Wehrmacht  im Frühsommer 1937 im Großraum Traben-Trarbach wurden die Mannschaftsdienstgrade der Truppe in Bürgerquartieren untergebracht. Es ist bezeichnend, dass die Offiziere bei den Logenbrüdern in Quartier untergebracht waren. (Anmerkung: was in diesem Bericht nicht erwähnt wurde ist, das die meisten Weinhändler auch Offiziere waren). Dagegen wurden führende Männer von Partei und Staat in Traben-Trarbach mit Unteroffizieren und Feldwebeln der Wehrmacht bedacht.  In einem  Schreiben von 1937 liest man weiter: die Außenstelle hat versucht über Mitarbeiter der Mitglieder, die Hauptpersonen dieser Vereinigung waren, diese festzustellen und sie entsprechend überwachen zu lassen, da die Angestellten der Betriebe einzelner Mitglieder der Freimauerischen Vereinigung eventuell auch Einblicke in das Privatleben ihrer Arbeitgeber haben könnten und somit wertvolle Hinweise gegeben werden. 

Es ist daher unumgänglich, dass Verbindungen zu diesen Kreisen aufgenommen werden. Der Leiter der Sicherheitsdienst Außenstelle Cochem  Rudolf Müller, schrieb im August 1937 einen Brief, der als Geheim eingestufte wurde an den Kreisleiter der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei den Parteigenosse Karl Unger in Traben-Trarbach: „Anliegend übersendet die hiesige Dienststelle eine Liste der ehemaligen freimaurerischen Vereinigung“ „Zur Starkenburg“, die dem Mitgliederverzeichnis der Loge „Friedrich zur Vaterlandsliebe“ in Koblenz aus dem Jahre 1929/30 entnommen ist. Unter Berücksichtigung der Erfahrungen, die bei der kürzlich stattgefunden Aktion gegen ehemalige Logenbrüder in Koblenz gemacht wurden, werden diese nachstehend mitgeteilt. 

1. Feststellung der genauen Personalien der  Logenbrüder  und deren Ehefrauen

2. Falls verzogen:  wann und wohin 

3. Namen der Kinder : Zugehörigkeit zu den NS- Gliederungen

4. Öffentliche Ämter der ehemaligen Freimaurer,  Zugehörigkeit zu der Partei und ihren Gliedern;  seit  wann.   

 

Im gleichen Monat schreibt obiger Rudolf Müller an den Obersturmführer der Schutzstaffel Wilhelm Glaser in Traben-Trarbach (auszugsweise Wiedergabe): „Es besteht ein wesentliches Interesse Anhaltspunkte über eine eventuelle illegale Weiterarbeit dieser freimaurerischen Vereinigung in Form von Stammtischrunden oder sogenannten Freundeskreise zu erfassen. Falls solche Treffen bestehen ist es unbedingt erforderlich zu erfahren: 

1. wo die Treffpunkte sind

2. wo finden regelmäßige Zusammenkünfte statt

3. ergehen hierzu besondere Einladungen oder erfolgt mündliche Benachrichtigung.

 

Unter besondere Beobachtung standen Dr. Herbert Kohl und Wilhelm Wadenphul über die bereits Anfragen zu ihren Freimaurerischen Tätigkeiten seitens der Kreisleitung in Zell den hiesigen Stellen vorlagen. Wilhelm Wadenphul hielt 1922 im Germaniasaal in Traben ein Vortag mit dem Titel: Ein Aufklärungsvortag für Nichtfreimaurer gehalten vor einer besonders geladenen Zuhörerschaft. Er war Mitglied der Loge „Drei Ringe“ im Orient Santiago de Chile. Trotz aller Maßnahmen konnten die damaligen staatlichen Stellen, keine weiteren oder belastenden Angaben und Unterlagen zu den Mitgliedern des ehemaligen freimaurerischen Kränzchens „Zur Starkenburg“ finden. 

 

Nach 1945 gab es kein Freimaurerisches Kränzchen oder eine ähnliche Vereinigung in Traben-Trarbach. Die Mitglieder der 1915 gegründeten Vereinigung, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hatten,  kehrten in ihre Mutterlogen zurück.  

 

 

Zum Ende des Vortrages noch einige Bemerkungen:

 

Die meisten Eintritte in die Freimauerische Vereinigung zur Starkenburg erfolgten 1922. 10 Mitglieder waren von Beruf Weinhändler und Weingutsbesitzer, das jüngste Mitglied war beim Eintritt 25 Jahre und der älteste 55 Jahre alt. Das durchschnittliche Eintrittsalter lag bei 38 Jahren. Auch in den späteren Jahren finden sich immer wieder Männer aus unserer Heimat als Freimaurer, überwiegend in den Logen von Koblenz und Trier. Koblenz deshalb, da die Grenze zwischen den Regierungsbezirken Trier und Koblenz bis 1969 zwischen Traben-Trarbach und Kröv verlief und Traben-Trarbach zum ehemaligen Landkreis Zell gehörte, während moselaufwärts Kröv schon zum ehemaligen Landkreis Wittlich gehörte. Aber es gab auch Ausnahmen, einer der Meister vom Stuhl der Loge in Trier war der Arzt Dr. Tampke aus Enkirch.  Der Weingutbesitzer und Weinhändler Bertelmann aus Enkirch war Meister einer Loge in Frankfurt. Heute gibt es Logen in folgenden Städten unserer näheren Heimat und zwar in Koblenz, Trier, Luxemburg, Idar-Oberstein, Bad Kreuznach, Neuwied, Bingen und Kaiserslautern um nur einige zu nennen.

 

Viele Seiten im Internet über das Thema, so habe ich während meiner Recherche festgestellt, geben ein falsches Bild über die Freimaurer wieder. 

 

Wer persönlich mit Freimaurern ins Gespräch kommen will, dem empfehle ich Gästeabende oder öffentliche Vorträge der Freimaurerlogen zu besuchen Adressen und Angebote finden sich im Internet.

 

 

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